[Spalte] Wenn Sinuswellen den Raum verändern – Sachiko M und die Ästhetik des extremen Minimalismus
Column de Experimental Installation Minimal
Prolog: Beginnt dort, wo der Ton gerade verschwindet
Text: mmr|Thema: Die Schnittstelle zwischen visueller Kunst und dem hohen Norden der akustischen Kunst, die den Raum nur mithilfe von Sinuswellen neu definiert
Musik besteht normalerweise aus Melodie, Rhythmus und Harmonie. Es gibt jedoch Musik, die darauf verzichtet und fast aus einer einzigen Frequenz besteht. Sachiko M ist die Verkörperung dieses Extrems.
Ihre Werke gehen über den Rahmen der „Musik“ hinaus und fungieren stattdessen als Geräte, die die Wahrnehmung des Raums selbst verändern. Durch die Verwendung der reinsten Klangeinheit, der Sinuswelle, und die Darstellung eines anhaltenden Klangs, der sich kaum verändert, wird der Zuhörer in einen Zustand geführt, in dem er den Klang nicht „hört“, sondern „als Umgebung erlebt“.
Das ist nicht nur Minimalismus. Vielmehr handelt es sich um einen Akt, der die Grenze zwischen der Anwesenheit und Abwesenheit von Klang erschüttert und tief mit dem Ausstellungsraum und dem Kontext der Kunst verbunden ist.
Je weniger Ton vorhanden ist, desto mehr erweist sich der Raum als Kunstwerk.
Sachiko Ms Methodik: die Grenze der Sinuswellen
Auswahl der Sinuswelle
Eine Sinuswelle ist ein reiner Einzelfrequenzton ohne Obertöne. Normale Musikinstrumente und elektronische Klänge haben komplexe Obertonstrukturen, aber Sinuswellen eliminieren diese vollständig.
Sachiko M verwendet hauptsächlich einen Testtongenerator, um eine feste Frequenz über einen langen Zeitraum aufrechtzuerhalten. Obwohl diese Methode im Kontext der Improvisation steht, basiert sie auf äußerst restriktiven Regeln.
Ablehnung der Änderung
Klangveränderungen werden bei ihren Auftritten weitestgehend unterdrückt. Es gibt fast keine Lautstärke oder Bewegung, und in manchen Fällen kann man nicht einmal erkennen, ob es klingelt oder nicht.
Dies ist eine Haltung, die die „Entwicklung“ und das „Drama“ der konventionellen Musik völlig ablehnt.
Transformation der Körperlichkeit
Bei Musik geht es in der Regel um die Körperlichkeit des Interpreten. Allerdings wird bei Sachiko Ms Performance die Präsenz des Körpers minimiert. Die Manipulation ist minimal; vielmehr stehen der Raum und der Körper des Zuhörers im Mittelpunkt.
Das Thema des Klangs verlagert sich vom Interpreten zum Raum
Nahezu stiller Raum: Rekonstruktion des Hörens
Vom „Zuhören“ zum „Bemerken“
Die Beständigkeit der Sinuswelle verdeckt den Hörfokus. Der Zuhörer ist nicht in der Lage, den Geräuschen aktiv zu folgen und konzentriert sich stattdessen auf Umgebungsgeräusche und die eigenen Körpergeräusche.
Es treten beispielsweise folgende Phänomene auf:
*Tinnitus-ähnliche Wahrnehmung
- Der Schwerpunkt liegt auf den Geräuschen der Klimaanlage und dem Rascheln der Kleidung
- Sich der Existenz anderer bewusst werden
Grenze mit Stille
Der Sound von Sachiko M wird oft als „fast lautlos“ beschrieben. Allerdings ist es nicht wirklich völlig still. Vielmehr relativiert seine subtile Existenz den Begriff der Stille.
In dieser Hinsicht stimmt ihre Praxis mit John Cages 4:33 überein. Doch während Cages Ansatz darin bestand, Umgebungsgeräusche als Musik zu akzeptieren, bringt Sachiko M sie durch extrem leise künstliche Klänge zum Vorschein.
Es gibt keine Stille, nur der Rahmen der Wahrnehmung verändert sich
Abweichungen und Abweichungen von der improvisierten Musik
Japanische Improvisationsszene
Sachiko M nimmt seit den 1990er Jahren eine wichtige Position in der japanischen Improvisationsmusikszene ein. Yoshihide Otomo und Tetsuji Akiyama sind in diesem Zusammenhang beteiligt.
Diese Szene konzentrierte sich mehr auf die Texturen und Beziehungen der Klänge selbst als auf die musikalische Struktur.
Reduktionismus
Ihr Stil wird mit einem Trend namens „Reduktionismus“ in Verbindung gebracht. Hierbei handelt es sich um einen Ansatz, der Schallelemente auf das absolute Minimum reduziert und folgende Eigenschaften aufweist:
- Extrem niedrige Lautstärke
- Lang anhaltende
- Nicht-dramatische Struktur
Improvisation neu definiert
Normalerweise bedeutet Improvisation „augenblickliche Schöpfung“, aber im Fall von Sachiko M erscheint es als „der Akt der anhaltenden Entscheidung, nichts zu ändern“.
Bei der Improvisation geht es nicht um Veränderung, sondern auch darum, Kontinuität zu wählen.
Verbindung mit bildender Kunst: Transformation des Ausstellungsraums
Installationsartiger Charakter
Der Sound von Sachiko M wird stärker mit Museen und Galerieräumen in Verbindung gebracht als mit Konzertsälen. Da Klang als Teil der Umgebung fungiert, wird der gesamte Raum zum Kunstwerk.
In dieser Hinsicht ähnelt ihre Praxis einer Klanginstallation.
Wahrnehmungstransformation des Raumes
Da nur wenig Ton vorhanden ist, werden die folgenden Elemente betont:
- Lichtveränderungen
- Architektonische Struktur
- Bewegung von Menschen
Klang ist kein Hintergrund, sondern ein Medium, das den Rahmen der Wahrnehmung verändert.
Meisterwerk: Der Moment, in dem eine Sinuswelle zum Raum wird
Es ist schwierig, über Sachiko Ms Praxis in Bezug auf „Lieder“ zu sprechen. Denn ihre Werke sind keine zeitlich geschlossenen Gebilde, sondern existieren als anhaltende Zustände, die sich über den Raum erstrecken. Einige wichtige Praktiken definieren jedoch klar ihre Methodik.
„Ich bin hier“ (2001)
Dieses Album gilt als eines der repräsentativen Werke von Sachiko M. Hier bleibt der extrem kleine Klang einer Sinuswelle lange bestehen und es findet kaum eine musikalische Entwicklung statt.
Die Bedeutung dieses Werks liegt in seiner Gründlichkeit, dass „nichts passiert“. Der Klang verändert sich nicht, und der Zuhörer verliert den Überblick über den Fluss der Zeit und wird sich allmählich des Raums selbst bewusst.
Dadurch verändert sich das Hörerlebnis wie folgt:
- Bewusstsein für den Akt des Zuhörens selbst, nicht für den Inhalt des Klangs
- Verschwinden von Grenzen durch Umgebungsgeräusche
- Entstehung eigener körperlicher Empfindungen
Dieses Werk fungiert eher als Hörinstallation denn als Musik.
Mangelnde Veränderung maximiert die Wahrnehmungsveränderung
Improvisationsperformance (seit 2000er Jahren)
Der wichtigste Ausdruck von Sachiko M liegt in Live-Auftritten. Insbesondere bei Performances in Galerieräumen in Europa und Japan wird die Beziehung zwischen Klang und Raum aufs Äußerste verfeinert.
Leistungsmerkmale:
- Feste Sinuswellendauer
- Extreme Lautstärkeunterdrückung
- Beinahe Stille wahren
Das Publikum existiert nicht länger als „Publikum“, sondern als „Teil des Raumes“. Anstatt Aufmerksamkeit zu erregen, verändert der Klang die eigentliche Natur der Aufmerksamkeit.
Dieses Format unterscheidet sich von einem traditionellen Konzert und schafft ein Erlebnis, das einer Kunstausstellung näher kommt.
Leistung erscheint nicht als Ereignis, sondern als Schaffung einer Umgebung
Reduktionismus-Sitzungen (Ende der 1990er Jahre)
Sachiko M arbeitete zusammen mit Yoshihide Otomo und Tetsuji Akiyama im Kontext des sogenannten Reduktionismus.
In dieser Sitzung:
- Vermeiden Sie Schallkollisionen
- Verlängern Sie die Pause (ma) extrem
- Konzentrieren Sie sich auf kleinste Klangunterschiede
Ihre Sinuswellen können auch Schwebungen und Schwebungen (Interferenzgeräusche) erzeugen, indem sie die Geräusche anderer Künstler stören. Dabei handelt es sich nicht um einen beabsichtigten Rhythmus, sondern um einen Klang, der als physikalisches Phänomen erscheint.
Wichtig ist hier nicht die „Aufführung“, sondern die „Bedingungseinstellung“. Musik wandelt sich vom Ausdruck des Interpreten zum aus der Situation geborenen Phänomen.
Klang ist nicht etwas, das erschaffen wird, sondern ein Phänomen, das je nach Bedingungen auftritt.
Klanginstallationspraxis im Kunstraum
Seit den 2000er Jahren haben sich die Aktivitäten von Sachiko M auf Museen und Galerien ausgeweitet. Klang wird hier nicht als zeitliches Ereignis, sondern als Teil des Raumes arrangiert.
Charakteristische Punkte:
- Das Vorhandensein der Schallquelle ist oft unsichtbar
- Homogener Klang breitet sich im gesamten Raum aus *Die Wahrnehmung verändert sich, wenn sich der Zuhörer bewegt
Klang fungiert in diesem Format nicht als „Ausstellungsstück“, sondern als „Umweltzustand“. Wie bei jeder visuellen Arbeit bestimmen die Position und Bewegung des Publikums das Erlebnis.
Man kann sagen, dass dies einer der wichtigen Wendepunkte in der Klangkunst ist.
Klang wird zu einer Eigenschaft des Raumes selbst, nicht zu einem Objekt.
Wahrnehmungsmodelldiagramm: Beziehung zwischen Sinuswellen und Raum
Wahrnehmungsstruktur in „I’m Here“
Obwohl der Klang selbst in dieser Arbeit äußerst einfach ist, verändert sich der Wahrnehmungsprozess Schritt für Schritt. Besonders wichtig ist der Moment, in dem wir dem Schall nicht mehr folgen können und unser Gehör sich auf die gesamte Umgebung ausdehnt.
Einfache Geräusche rufen komplexe Wahrnehmungen hervor
Räumliche Verteilung bei Improvisationsdarbietungen
Selbst wenn derselbe Ton abgespielt wird, variiert das Erlebnis je nach Position im Raum und den physischen Bedingungen stark. Dadurch divergiert das Werk eher in mehreren Wahrnehmungen als in einer einzigen.
Der gleiche Klang wird als unterschiedliche Werke wahrgenommen
Interferenzmodell in der Reduktionismus-Sitzung
Die musikalische Struktur ist hier nicht vorgegeben. Stattdessen entstehen durch die physikalische Interferenz zwischen Klängen neue Wahrnehmungen. Dabei handelt es sich nicht um „Zusammensetzung“, sondern um „das Auftreten eines Phänomens“.
Klang entsteht aus Beziehungen, nicht aus Absichten.
Klangplatzierungsmodell im Kunstraum
Der Klang wird so wahrgenommen, als ob er den gesamten Raum durchdringt und nicht von einem bestimmten Ort ausgeht. Zu diesem Zeitpunkt beginnen die architektonischen Elemente als akustische Körper zu fungieren.
Der Raum selbst wird zum Sprecher
Internes Änderungsmodell des Listeners
Dieser Prozess verläuft stufenweise, jedoch nicht unbedingt linear. Durch wiederholte Konzentration und Diffusion entsteht ein ungewöhnlicher Wahrnehmungszustand.
Der Akt des Zuhörens verändert Ihre eigene kognitive Struktur
Frequenzbandmodell: Positionierung der Sinuswelle
Die von Sachiko M verwendeten Sinuswellen liegen häufig bei relativ hohen Frequenzen innerhalb dieses hörbaren Bandes. Dies soll ein Gefühl der Diffusion im Raum erzeugen und eine scharfe akustische Reaktion hervorrufen.
Da eine einzelne Frequenz verwendet wird, nimmt es außerdem nicht wie normale Musik den gesamten Frequenzbereich ein, sondern hinterlässt eine „Lücke“ im Raum. Das Ergebnis ist eine Struktur, in der Umgebungs- und Körpergeräusche hervorstechen.
Bereiche, die nicht von Schall eingenommen werden, erweitern die Wahrnehmung
Hörbares/unhörbares Grenzmodell
Der Klang von Sachiko M wird oft an der Grenze zwischen hörbar und nicht hörbar angesiedelt. Geräusche in der Nähe dieser Wahrnehmungsschwelle haben folgende Eigenschaften:
- Sie können es hören, wenn Sie darauf achten.
- Verschwindet, wenn die Aufmerksamkeit abgelenkt wird *Variiert je nach Umgebungsbedingungen
In diesem Zustand erscheint der Klang nicht als festes Objekt, sondern als Wahrnehmungsprozess selbst.
Klang existiert nicht, sondern entsteht durch Wahrnehmung.
Frequenzwahrnehmungsverteilung im Raum
Selbst bei einer einzigen Frequenz treten aufgrund von Reflexion und Interferenz winzige Veränderungen im Raum auf. Dadurch entsteht an jedem Ort eine andere Wahrnehmung und kein völlig homogener Klang.
Dieser Effekt macht sich besonders bei hohen Frequenzen bemerkbar und leichte Positionsunterschiede können den Klangeindruck verändern.
Einfache Klänge werden je nach Raum komplex
Beziehung zwischen hörbaren Grenzen und dem Körper
Geräusche nahe der Wahrnehmungsschwelle sind nicht nur mit dem Hörsinn, sondern auch mit den Sinnen des gesamten Körpers verbunden. Insbesondere treten folgende Phänomene auf:
- Gefühl, dass das Geräusch von innen kommt
- Verwechslung mit Tinnitus
- Verwischung der Grenzen zwischen Raum und Körper
In diesem Zustand erscheint der Klang nicht als äußeres Objekt, sondern als innere Erfahrung des Körpers.
Schall ist keine äußere Empfindung, sondern eine innerlich erzeugte Empfindung.
Resonanz mit der Kunst
Dieser Ansatz findet großen Anklang in der Minimal- und Konzeptkunst. Zum Beispiel:
- Wahrnehmungsverzögerung
- Wiederholung
- Aufmerksamkeit für den Raum
Ton wird wie visuelle Werke zu einem Instrument zur Manipulation des Bewusstseins des Publikums.
Klang ist kein Kunstwerk, sondern ein Gerät, das die Art und Weise verändert, wie wir den Raum wahrnehmen.
Zeitdehnung: Eine Philosophie der Beharrlichkeit
Nichtzeitliche Struktur
Es ist schwer, einen klaren Anfang oder ein klares Ende der Musik von Sachiko M zu erkennen. Zeit wird nicht als linear, sondern als stagnierender oder ausgedehnter Zustand erlebt.
Veränderungen im Hörerlebnis
Der Hörer gelangt nach und nach in die folgenden Zustände:
- Verlust des Zeitgefühls
- Zwischen Konzentration und Ablenkung hin und her wechseln *Veränderungen im Selbstbewusstsein
Beziehung zu Feldman
Dieses Zeitgefühl wurde auch mit Morton Feldmans Langzeitwerken verglichen. Allerdings hat Sachiko M die Elemente weiter reduziert und erreicht fast eine einzelne Note.
Zeit erscheint nicht als etwas, das fließt, sondern als etwas, das bleibt.
Chronologie: Sachiko M und akustischer Minimalismus
Strukturdiagramm: Beziehung zwischen Klang und Raum
Bedeutung in der Neuzeit: Warum ist sie jetzt extrem?
Auf Informationsüberflutung reagieren
Die moderne Zeit ist immer voller Klang und Informationen. Unter diesen schärft Sachiko Ms Ansatz paradoxerweise die Sinne durch extreme „Reduktion“.
Wahrnehmungsumerziehung
Ihre Arbeit definiert den Akt des Zuhörens neu. Musik ist kein Konsumgegenstand, sondern ein Prozess der Wahrnehmungsrekonstruktion.
Klang als Kunst
Klang ist nicht mehr auf zeitliche Kunst beschränkt, sondern fungiert als räumliche Kunst. In diesem Sinne ist Sachiko M eine Einheit, die die Grenzen zwischen Musik und Kunst überschreitet.
Auf seine Grenzen reduzierter Klang eröffnet den größtmöglichen Raum
Fazit: Was ist zu sehen, wenn der Ton verschwindet?
Sachiko Ms Praxis erweitert nicht nur die Möglichkeiten der Musik, sondern hinterfragt auch den Rahmen der Wahrnehmung selbst. Durch die kleinste Einheit von Sinuswellen rekonstruiert sie die Beziehung zwischen Raum, Zeit und Körper.
Was dabei herauskommt, ist eher ein „Ort“ als ein Klang.
In dem Moment, in dem der Ton zu verschwinden beginnt, beginnen wir zum ersten Mal, den Raum zu hören.
Die Abwesenheit von Ton bringt die Existenz von Raum am stärksten zum Ausdruck