[Kolumne] NTS/Boiler Room Live-Streaming-Künstler und unbekannte Performance-Kultur

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[Kolumne] NTS/Boiler Room Live-Streaming-Künstler und unbekannte Performance-Kultur

Prolog: Ein neuer Aufführungsraum namens Live-Streaming

Text: mmr|Thema: Wie DJ-Sets, experimentelle Musik und unbekannte Live-Auftritte rund um Live-Streaming-Plattformen entstanden und erweitert wurden.

Zu Beginn des 21. Jahrhunderts weiteten sich die Räume für Musikaufführungen allmählich von physischen Veranstaltungsorten wie Clubs und Konzertsälen zu Orten aus, an denen Musik über das Internet verbreitet wird. Vor allem seit den 2010er Jahren hat sich Live-Musik-Streaming als eigenständige Form der Aufführung etabliert, statt nur als Aufnahme oder Ausstrahlung.

NTS Radio und Boiler Room haben unterschiedliche Ursprünge und Philosophien innerhalb dieser Strömung, aber sie sind es, die die Live-Streaming-Kultur international sichtbar gemacht haben. Gemeinsam ist beiden die Genreübergreifendheit, die Improvisation und die Haltung, sich vom bestehenden Rahmenwerk der Musikindustrie zu distanzieren.


Kapitel 1: Etablierung der NTS-Radio- und Rundfunkkultur

NTS Radio ist ein Internetradio mit Sitz in London, das rund um die Uhr DJ-Programme und Live-Auftritte sendet. Die ausgestrahlten Inhalte sind vielfältig und umfassen Clubmusik, experimentelle Musik, Volksmusik und Improvisationsdarbietungen.

Ein Merkmal von NTS ist, dass es keinem bestimmten Genre einen Vorteil bei der Programmprogrammierung verschafft. Künstler haben für jedes Programm die Rechte zur Kuration und dürfen nicht nur DJ-Sets, sondern auch Feldaufnahmen, unveröffentlichte Tonquellen und Live-Auftritte einbeziehen.

„Live-Streaming auf NTS wurde als ein Akt der gemeinsamen Nutzung des Prozesses der Songauswahl und Aufführung selbst positioniert, anstatt das fertige Werk zu präsentieren.“


Kapitel 2: Die Entstehung von Boiler Room und dem visualisierten DJ

Boiler Room begann als Projekt zum Streamen kleiner Indoor-DJ-Events in London. Die Kamera betritt den gleichen Raum wie der DJ und zeichnet sich durch ein Format aus, das die Anwesenheit des Publikums einbezieht.

Dieses Format unterscheidet sich von herkömmlichen Videoaufnahmen, bei denen eine Kamera hinter der DJ-Kabine platziert wird, dadurch, dass sich Publikum, Raum und Künstler alle im selben Bild befinden. Infolgedessen wurde der DJ-Auftritt als ein Ausdruck visualisiert, der „körperliches und soziales Verhalten“ umfasst, und nicht als ein Akt „nur des Klangs“.


Kapitel 3 Transformation von DJ-Sets im Live-Streaming

DJ-Sets im NTS und im Boiler Room unterscheiden sich in der Regel von Club-Setups zu Spitzenzeiten. Es gibt viele Szenen, in denen der Schwerpunkt eher auf den Zusammenhängen und Überraschungen der Songauswahl als auf der Konsistenz von Tempo und Energie liegt.

Vor allem bei NTS sind lange Sets mit einer Länge von mehr als zwei Stunden üblich, und oft sieht man einen Stil, der sanft eine Erzählung aufbaut und gleichzeitig Genres überschreitet. Andererseits gibt es in Boiler Room viele relativ kurze Sets, die die Entwicklung im Einklang mit der Hitze des Raums betonen.

„Die Bedingungen des Live-Streamings veränderten das DJ-Set von einer „Technik, die den Raum zum Funktionieren bringt“ zu einer „Struktur, der zugehört wird.“


Kapitel 4: Kompatibilität von experimenteller Musik und Live-Streaming

Experimentelle Musik wird traditionell in kleinen Veranstaltungsorten, Museen und Universitätseinrichtungen aufgeführt. Mit der Verbreitung von Live-Streaming hat sich jedoch die Präsentationsumgebung erweitert.

NTS integriert auf natürliche Weise Lärm, Drohnen, Improvisation, Computermusik usw. in die Radioprogramme. Das Lieferformat, das visuelle Informationen minimiert, diente dazu, den Fokus auf die akustische Struktur zu legen.

Im Boiler Room wurden neben Tanzmusik auch experimentelle Darbietungen aufgeführt, wodurch ein Raum geschaffen wurde, in dem experimentelle Musik in einem visuellen Kontext neu interpretiert werden konnte.


Kapitel 5 Das Konzept der unbekannten Live-Performance

Während in einer Live-Streaming-Umgebung die Reaktion des Publikums physisch begrenzt ist, gibt es gleichzeitig eine unbestimmte Anzahl von Zuhörern. Diese Situation schafft ein Umfeld, in dem das Ergebnis für den Darsteller schwer vorherzusagen ist.

Aus diesem Grund wählen viele der bei NTS und Boiler Room auftretenden Künstler unbekannte Kompositionen, die auf Improvisation basieren. Anstelle einer festgelegten Setlist ist die Auswahl und Verarbeitung der Tonquellen vor Ort von zentraler Bedeutung für die Aufführung.

„Eine unbekannte Live-Aufführung ist ein Zustand des öffentlichen Experimentierens, der die Möglichkeit eines Scheiterns beinhaltet.“


Kapitel 6 Interaktion zwischen Vertriebstechnologie und musikalischem Ausdruck

Beim Live-Streaming gibt es Einschränkungen wie Verzögerungen, Komprimierung der Audioqualität und instabile Kommunikation. Diese Bedingungen erfordern ein neues Urteilsvermögen der Künstler.

Extreme Bassklänge und subtile Dynamiken lassen sich beispielsweise in einer Streaming-Umgebung nur schwer reproduzieren, daher wurden die Darbietungen durch eine bewusste Anpassung von Klangfarbe und Struktur durchgeführt. Diese Anpassungen führen zu einer vertriebsspezifischen Klangästhetik.


Kapitel 7 Community und Archive

NTS und Boiler Room haben ihre Sendungen archiviert und zum späteren Ansehen und Anhören zur Verfügung gestellt. Dieser Archivcharakter verwandelt Live-Auftritte von kurzlebigen Ereignissen in referenzierbare Materialien.

Die Zuhörer können die Aufführung nicht nur durch die Teilnahme in Echtzeit neu interpretieren, sondern auch durch das spätere Anschauen.


Kapitel 8 Chronologie: Haupttrends in der Live-Streaming-Kultur

timeline title Online Music Broadcasting History 2000 : インターネットラジオ文化の拡大 2010 : 小規模ライブ配信プロジェクトの増加 2011 : Boiler Roomの初期配信 2013 : NTS Radioの本格運用開始 2015 : 実験音楽・即興演奏の定期配信化 2020 : 自宅・スタジオからのライブ配信の一般化

Kapitel 9 Strukturdiagramm: Elemente der Live-Streaming-Leistung

flowchart TD A[演奏者] --> B[配信機材] --> C[配信プラットフォーム] C --> D[同時聴取者] C --> E[アーカイブ] D --> F[非同期的評価]

Letztes Kapitel: Veränderungen im Musikerlebnis durch den Vertrieb

NTS Radio und Boiler Room haben den Rahmen musikalischer Darbietungen durch Live-Streaming erweitert. Es war nicht nur ein Staffellauf, sondern die Präsentation eines neuen Aufführungsraums, der das Unbekannte, Experimente und den sozialen Kontext einbezog.

„Die Live-Streaming-Kultur hat Musik von einem festen Werk zu einem gemeinsamen Prozess gemacht.“

Die in diesem Artikel zusammengefassten Fakten werden als Grundlage für die Überlegungen zu zukünftigen musikalischen Ausdrucksformen dienen.


Ergänzendes Kapitel 1 Perspektiven, die über Genres hinausgehen

Bei der Praxis der Live-Streaming-Künstler, die auf NTS und Boiler Room auftreten, geht es mehr um „Musik als Bewegungskörper“ als um den Namen eines Genres.

DJ-Sets und experimentelle Auftritte in Live-Streams werden als Zustand kontinuierlicher Veränderung im Laufe der Zeit präsentiert und nicht als fertiges Werk. Dies kann als „aufzeichnbare Bewegung“ angesehen werden.

„In dem Moment, in dem Musik feste Formate ablehnt, wird ihre Bewegung am deutlichsten.“


Ergänzendes Kapitel 2 Verschwinden von Studio und Standort

Traditionell wurde zwischen der Musikproduktion im Studio und dem Auftritt vor Ort unterschieden. In einer Live-Streaming-Umgebung verschwimmt diese Unterscheidung jedoch. Wohnungen, temporäre Räume, öffentliche Einrichtungen, Ateliers ohne Publikum usw. werden gleichzeitig zu Produktions- und Aufführungsräumen.

Auf NTS wurde bestätigt, dass es viele Fälle gibt, in denen Material mitten in der Produktion oder unfertige Tonquellen so abgespielt werden, wie es im Programm enthalten ist. Gelegentlich veröffentlicht Boiler Room auch Live-Sets, die kurz vor den Proben stehen.

„Das Verschwinden von Studios und Locations befreite die Musik von der ‚Vorbereitung‘“


Ergänzendes Kapitel 3 Beispieldichte über Genres hinweg

Betrachtet man die Aktivitäten von Live-Streaming-Künstlern, ist Cross-Genre eher die Regel als die Ausnahme. Fragmente aus Tanzmusik, Noise, Jazz, Volksmusik und Pop werden im selben Set verkettet.

Dies ist eher ein Ergebnis veränderter Hörbedingungen im Vertriebsumfeld als eine bewusste Avantgarde. Das Hören über längere Zeiträume in einer privaten Umgebung ermöglicht schnelle Genrewechsel.


Ergänzendes Kapitel 4 Den Beruf des DJs neu definieren

DJs bei NTS und Boiler Room sind nicht nur Musikwähler. Er spielt mehrere Rollen als Tonquellenmanager, Redakteur, Improvisator und Geschichtenerzähler.

Insbesondere auf NTS erstellen DJs Musikarchive, indem sie ihre Programme über längere Zeiträume fortsetzen. Diese Anhäufung fungiert als musikalische Geschichte eines Individuums.

„DJ-Sets sind fragmentarische Aufzeichnungen persönlicher Geschichte“


Ergänzendes Kapitel 5 Videointervention und -verweigerung

Während Boiler Room aktiv Videos einbezieht, hat NTS ein audiozentriertes Design beibehalten. Dieser Unterschied hat direkte Auswirkungen auf die Leistungsrichtung.

Wenn Bilder existieren, haben körperliche Bewegungen und räumliche Konfigurationen eine Bedeutung. Wenn die Bilder begrenzt sind, rücken die Anordnung der Töne und die zeitliche Struktur in den Vordergrund.


Ergänzungskapitel 6 Improvisation managen

Improvisation ist nicht chaotisch. Live-Streaming-Künstler entwerfen Improvisationen basierend auf Bedingungen wie Streaming-Zeit, Anzahl der Zuhörer und technischen Einschränkungen.

Unbekanntheit erscheint eher als kontrollierte Ungewissheit als als purer Zufall.

„Bei der Improvisation geht es nicht darum, die Kontrolle zu verlieren, sondern darum, den Kontrollbereich wiederherzustellen.“


Ergänzendes Kapitel 7 Archivverbrauch und Rekontextualisierung

Archivierte Livestreams können ausgeschnitten, erneut bearbeitet und in anderen Kontexten konsumiert werden. Dadurch entsteht eine andere Bedeutung als beim ursprünglichen Live-Erlebnis.

Diese Rekontextualisierung verlängert die Lebensdauer des Werks und lehnt gleichzeitig eine einzelne Interpretation ab.


Ergänzendes Kapitel 8 Wirtschaftsstruktur und Unabhängigkeit

NTS und Boiler Room haben ein Modell demonstriert, das sich von der traditionellen Wirtschaftsstruktur unterscheidet, die sich auf Rekordverkäufe konzentriert. Der Vertrieb ist nicht nur Werbung, sondern auch eine Tätigkeit an sich.

„Live-Streaming dient als Aktivitätsbeweis, nicht als Produkt.“


Ergänzungskapitel 9 Bezug zur Musikgeschichte

Diese Live-Streaming-Kulturen stehen im Einklang mit der Geschichte der Improvisationsmusik, der experimentellen Musik und der DJ-Kultur. Neue Technologien machen bestehende Praktiken nicht unsichtbar, sondern positionieren sie neu.


Ergänzendes Kapitel 10 Zukünftige Erweiterungsmöglichkeiten

Das Live-Streaming-Format ist kein vollständiges System. Es verändert sich weiterhin als Reaktion auf Veränderungen in der Technologie, den Hörgewohnheiten und den Ausdrucksmethoden.

Wichtig ist nicht die Form selbst, sondern die Musik als sich ständig verändernder Bewegungskörper.

„Musik ist kein zu speicherndes Objekt, sondern ein Phänomen, das kontinuierlich generiert wird.“


Monumental Movement Records

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