[Spalte] Modulare Drohne / Experimentelle Drohnen

Column de Buchla Drone Experimental Modular
[Spalte] Modulare Drohne / Experimentelle Drohnen

Einführung: Experimenteller akustischer Raum, konstruiert durch anhaltende Klänge

Text: mmr|Thema: Modulare Drohnen als Schnittstelle zwischen der Geschichte der akustischen Technologie, der Geschichte der Musikinstrumente und dem kompositorischen Denken positionieren und ihre Entstehung und Entwicklung systematisch organisieren.

Modulare Drohnen/experimentelle Drohnen (im Folgenden „modulare Drohnen“ genannt) sind ein Trend akustischer Experimente, der sich auf anhaltende Klänge konzentriert und sich in engem Zusammenhang mit den strukturellen Eigenschaften modularer Synthesizer entwickelt hat. Ein Klangkontinuum, das weder eine Melodie noch einen Takt voraussetzt, erzeugt Zeit, indem es Elemente wie Tonhöhe, Klangfarbe, Intensität, Phase und räumliche Anordnung minutiös verändert. Diese Musik betont eher „Existenz“ als „Fortschritt“, und Veränderungen erscheinen eher als Zustandsübergänge denn als Ereignisse.

Bei modularen Drohnen ist es wichtig, dass das Ziel des Hörens nicht das Fortbestehen eines einzelnen Tons ist, sondern der Prozess, durch den mehrere Signalpfade miteinander interagieren. Mit modularen Synthesizern können Sie Elemente wie Oszillatoren, Filter, Verstärker, Hüllkurven, LFOs und Zufallsspannungen frei verbinden und so die Grenzen zwischen Stabilität und Instabilität, Kontrolle und Zufall hörbar machen. Durch die Kombination dieser Eigenschaft mit der Form eines Drones entstand ein akustischer Ausdruck, der das Zeitgefühl erweitert.


Historische Prämissen des Drohnenkonzepts

Das Konzept einer Drohne existierte schon vor der elektronischen Musik. Zu seinen Prototypen gehören anhaltender Bass in traditioneller Musik, anhaltende Harmonie in religiöser Musik und stationäre Klänge in mechanischen und Umgebungsgeräuschen. In der Geschichte der westlichen Musik spielten die anhaltenden Klänge mittelalterlicher Orgeln und Dudelsäcke eine Rolle bei der räumlichen Unterstützung der Musik.

Im 20. Jahrhundert schritten Industrialisierung und Elektrifizierung voran und anhaltender mechanischer Lärm durchdrang unsere tägliche Umgebung. Diese Umweltveränderung bot Musikern die Möglichkeit, ihre Klangwahrnehmung zu ändern. Von einer melodiezentrierten Sichtweise der Musik hin zu einem Fokus auf die Textur und zeitliche Dauer des Klangs selbst wurden Drohnen als wichtiges Element experimenteller Musik neu definiert.


Kombination aus elektroakustischen und anhaltenden Klängen

In den Anfängen der elektronischen Musik waren anhaltende Töne das Element, das die Eigenschaften elektronischer Klänge am deutlichsten anzeigte. Die von einem Oszillator erzeugte kontinuierliche Wellenform kann im Gegensatz zu einem physikalischen Instrument theoretisch unbegrenzt aufrechterhalten werden. Diese Eigenschaft ermöglichte es, sich von der traditionellen musikalischen Struktur zu lösen, die die Zeit in Takte unterteilt.

In der Tonbandmusik und der elektroakustischen Musik wurde versucht, Klänge über längere Zeiträume anzuhalten oder allmähliche Änderungen vorzunehmen, allerdings gab es Einschränkungen bei der Echtzeitsteuerung. Hier kommt das Konzept der Spannungsregelung ins Spiel. Der Mechanismus zur Steuerung von Tonhöhe und Klangfarbe mithilfe von Spannung wurde zur Grundlage späterer modularer Synthesizer und bot die Möglichkeit, anhaltende Klänge dynamisch zu verändern.


Etablierung eines modularen Synthesizers

Struktur und Philosophie des Moog-Systems

Der Moog-Synthesizer basiert auf einem spannungsgesteuerten Oszillator und Filter mit einem relativ klaren Signalfluss. Die Struktur, die für den Anschluss an eine Tastatur konzipiert war und auf Tonhöhenstabilität und Reproduzierbarkeit ausgerichtet war, spielte eine Rolle bei der Etablierung elektronischer Klänge als spielbares Instrument.

Dieser Aufbau ist auch bei der Drohnenproduktion wichtig. Ein stabiler Oszillator bildet die Grundlage für einen über einen langen Zeitraum anhaltenden Klang, und die innere Struktur des Klangs verändert sich im Laufe der Zeit durch allmähliche Modulation von Filter und Verstärker. Modulare Geräte im Moog-Stil boten eine geeignete Umgebung für die Erzeugung kontrollierter, anhaltender Klänge.

Nicht-Tastatur-Denken des Buchla-Systems

Der Buchla-Synthesizer hatte eine Designphilosophie, die keine Tastatur voraussetzte und deutlich eine Richtung vorgab, in der Spannung selbst als Material für Kompositionen verwendet werden konnte. Komplexe Modulationen, zufällige Spannungen, zusammengesetzte Oszillatoren usw. erzeugen ein unvorhersehbares Klangverhalten.

Diese Eigenschaft ist besonders bei modularen Drohnen wichtig. Schwankungen in Klangfarbe und Amplitude rücken stärker in den Vordergrund als die Stabilität der Tonhöhe, und der Bordunklang wird nicht als fester Klang, sondern als sich ständig veränderndes Feld gehört. Buchlas Ansatz ermöglichte es, ein Gleichgewicht zwischen Kontrolle und Zufall in die musikalische Struktur einzubauen.

„Moogs stabile Persistenz und Buchlas variable Persistenz weisen auf zwei grundlegende Richtungen für modulare Drohnen hin.“


Akustische Eigenschaften modularer Drohnen

Persistenz und differenzielle Veränderung

Der Kern modularer Drohnen sind die subtilen Veränderungen, die über einen langen Zeitraum auftreten. Die extrem langsamen Einstellungen von LFO und Hüllkurve sowie die langsame Modulation zufälliger Spannungen sorgen dafür, dass sich der Klang nahezu stationär anfühlt und sich dennoch ständig verändert.

Diese Veränderung erscheint nicht als melodische Weiterentwicklung, sondern als kontinuierliche Veränderung akustischer Parameter. Der Zuhörer erlebt eher den Prozess der Veränderung als den Moment der Veränderung.

Feedback und Selbstgenerierung

In einer modularen Umgebung ist es einfach, Feedback zu erstellen, das Ausgaben in Eingaben umwandelt. Feedback führt den Klang in einen sich selbst erzeugenden Zustand und erzeugt ein Verhalten, das über die Absichten des Urhebers hinausgeht. Durch diese Selbstgenerierung halten Drohnen den Ton nicht einfach nur fest, sondern präsentieren das Verhalten eines Soundsystems selbst.


Produktionstechniken und Patch-Ideen

Bei der Herstellung modularer Drohnen entspricht der Patch selbst der Zusammensetzung. Die Anzahl der Oszillatoren, die Kombination der Wellenformen und die Komplexität des Modulationspfads bestimmen die Dichte und das Zeitgefühl der Musik.

Der lineare Signalpfad des Moog-Systems verwendet häufig eine Struktur, bei der mehrere Modulationen auf einen stabilen Grundton geschichtet sind. Andererseits sind im Buchla-System zusammengesetzte Oszillatoren und Funktionsgeneratoren miteinander verbunden, wodurch ein Zustand entsteht, in dem die Unterscheidung zwischen Tonhöhe und Klangfarbe nicht eindeutig ist.

„Ein Patch fungiert nicht als Partitur, sondern als Gerät, das Zeit enthält.“


Hörerlebnis und Zeitwahrnehmung

Modulare Drones wirken sich direkt auf das Zeitgefühl des Zuhörers aus. Da es keine Schläge oder Knoten gibt, wird die Zeit eher intern wahrgenommen als äußerlich gemessen. Indem der Zuhörer auf Klangveränderungen achtet, taucht er in den akustischen Raum ein und erfährt die Dauer selbst.


Beziehung zu anderen Genres

Modulare Drohnen haben viele Elemente mit Ambient-, Minimal- und experimenteller elektronischer Musik gemeinsam, sind jedoch insofern einzigartig, als sie den Gerätecharakter modularer Synthesizer in den Vordergrund stellen. Das System ist wichtiger als die Musik, und der Prozess ist wichtiger als das Ergebnis.


Chronologie: Hauptstadien der modularen Drohnenbildung

  • 1950er Jahre: Erforschung des anhaltenden Klangs in der elektronischen Akustik
  • 1960er Jahre: Etablierung modularer Systeme durch Moog und Buchla
  • 1970er Jahre: Zunahme langdauernder Drone-Werke in der experimentellen Musik
  • 1990er Jahre: Modulare Regression und Neubewertung von Drohnen
  • 2010er Jahre: Ausweitung der experimentellen Drohnenproduktion aufgrund der Verbreitung von Eurorack

Strukturdiagramm: grundlegender modularer Drohnensignalpfad

flowchart TD OSC["Oscillator"] --> FIL["Filter"] FIL --> AMP["Amplifier"] LFO["LFO"] --> FIL LFO --> AMP

Beispiel einer nichtlinearen Struktur

flowchart TD OSC1["Oscillator A"] --> MIX["Mix"] OSC2["Oscillator B"] --> MIX MIX --> AMP["Amplifier"] AMP -->|Feedback| FIL["Filter"] FIL --> MIX

Erweiterte akustische Analyse: interne Struktur anhaltender Klänge

Harmonische Struktur und spektrale Variation

Der anhaltende Klang modularer Borduntöne entsteht nicht durch die Beibehaltung einer einzelnen Frequenz, sondern durch langsame Schwankungen in der gesamten Obertonstruktur. Die Wahl der Oszillatorwellenform (Sinus, Dreieck, Sägezahn, Rechteck) bestimmt das anfängliche Spektrum, aber im Laufe der Zeit wird die harmonische Verteilung ständig neu organisiert, wenn sich Filtergrenzwert, Resonanz und Antriebsstärke ändern.

Besonders in einer modularen Umgebung wird der Filter selbst häufig in einem schwingungsnahen Zustand verwendet und die Grenze zwischen Grund- und Harmonischen verschwimmt. Dadurch wird das Dröhnen eher als Übergang in der Spektraldichte denn als Ansammlung von Tonhöhen wahrgenommen.

„Bei modularen Drohnen ist die Tonhöhe kein fester Punkt, sondern fungiert als Schwerpunkt des Spektrums.“

Phaseninterferenz und Schwebungsphänomen

Durch subtile Verstimmung und Schichtung mehrerer Oszillatoren wird aufgrund von Phaseninterferenzen eine niederfrequente Schwebung erzeugt. Dieser Takt ist nicht so klar, dass man ihn als Rhythmus erkennen könnte, aber er erzeugt eine periodische Ausdehnung und Kontraktion innerhalb des Klangs.

In einem stabilen VCO im Moog-Stil hat dieser Schlag eine relativ vorhersehbare Periode. Andererseits schwankt bei Schwingungen, die vom Buchla-System oder Funktionsgeneratoren abgeleitet sind, die Periode selbst und der Schlag erscheint als unregelmäßige Pulsationen. Dieser Unterschied hat direkte Auswirkungen auf das Zeitgefühl der Drohne.


Räumlichkeit und erweitertes Zuhören

Stereoplatzierung und pseudoräumliche Bewegung

Modulare Drohnen verwenden oft eine extrem langsame Schwenkmodulation. Durch die Verschiebung der linken und rechten Lokalisierung alle paar Minuten wird der Schall nicht als feste Einheit im Raum, sondern als schwebendes Schallfeld wahrgenommen.

Darüber hinaus hat das Klangbild durch die Anwendung unterschiedlicher spektraler Änderungen auf der linken und rechten Seite keine klare Position und wird im gesamten Raum verteilt. Dadurch wird die traditionelle Hörposition, bei der Musik von vorne empfangen wird, aufgehoben und ein Erlebnis geschaffen, das dem von Umgebungsgeräuschen näher kommt.

Verschmelzung von Nachhall und anhaltendem Klang

Lange Nachhallzeiten sind nicht nur ein Effekt bei Drohnen, sondern sind Teil der akustischen Struktur. Wenn der Originalton und der Nachhallton nicht getrennt werden können, werden Anfang und Ende des Klangs mehrdeutig und der anhaltende Klang nimmt eine Unendlichkeit an.

„Nachhall schmückt den Klang nicht, sondern wirkt wie ein Gerät, das die Zeit selbst verlängert.“


Steuerspannung und Kompositionsakt neu definiert

Von der Partitur zum System

Bei modularen Drohnen ist das Komponieren nicht das Schreiben von Noten, sondern das Gestalten der Beziehung zwischen Steuerspannungen. Entscheidungen darüber, welche Parameter man festlegt und welche Elemente man schwanken lässt, bestimmen den Charakter der Musik.

In diesem Sinne ist ein modularer Synthesizer sowohl ein Musikinstrument als auch ein eigenständiges Soundsystem. Anstatt den Klang direkt zu manipulieren, legt der Urheber die Bedingungen fest, unter denen der Klang weiterhin erzeugt wird.

Balance zwischen Autonomie und Intervention

Vollständig autonome Patches weisen im Laufe der Zeit unvorhersehbare Änderungen auf. Andererseits kann durch menschliches Eingreifen die Richtung des Klangs angepasst werden. Das Gleichgewicht zwischen diesen beiden ist ein wichtiger Entscheidungspunkt bei der Produktion modularer Drohnen.

„Intervention erfolgt als Dialog mit dem System, nicht als Kontrolle“


Leistung und Installation

Anhaltende Klänge in einer Live-Umgebung

Bei der Live-Performance modularer Drohnen wird die zeitliche Länge selbst zum Bestandteil. Es ist nicht erforderlich, dass die Entwicklung in einem kurzen Zeitraum erfolgt, und der Prozess, durch den sich die Qualität des akustischen Raums allmählich verändert, wird geteilt.

Das Vorhandensein von sichtbaren Patches und Kabeln betont die instrumentellen Aspekte der Klangerzeugung.

Kompatibilität mit Ausstellungsfläche

Nachhaltiger Klang hat eine hohe Affinität zu Galerien und Installationsräumen. Besucher müssen den akustischen Raum zu keinem Zeitpunkt betreten und verlassen, um das Ganze zu hören. Modulare Drohnen haben eine Struktur, die fragmentiertem Abhören standhält.


Monumental Movement Records-Perspektive

Im Kontext von Monumental Movement Records sind modulare Drones nicht einfach nur experimentelle Musik, sondern werden als Klangpraktiken positioniert, die Zeit, Struktur und Instrumentalität kritisch darstellen. Hier sind lange Dauern und unterschiedliche Veränderungen wertvoller als auffällige Veränderungen oder unmittelbare Effekte.

Der Wortschatz ist eher beschreibend als dekorativ, und die Strukturanalyse hat Vorrang vor dem emotionalen Ausdruck. Klang ist sowohl ein Sinnesobjekt als auch ein Medium zum Denken.

„Anhaltende Geräusche existieren nicht als Hintergrund, sondern als Vordergrund, der Ihre Gedanken beschäftigt.“


Erweiterte Chronologie: Vertiefung von Technologie und Denken

  • Ende der 1960er Jahre: Verallgemeinerung des Spannungsregelungskonzepts
  • Anfang der 1970er Jahre: Zunahme von Langzeitwerken und Improvisationspraktiken
  • 1980er Jahre: Schnittstelle zwischen digitaler Steuerung und analogem Dauerton
  • 2000er Jahre: Verbreitung modularer und experimenteller DIY-Drohnen
  • 2020er Jahre: Etablierung einer nachhaltigen Klangkultur basierend auf Instrumentalität

Fazit: Musik als Gerät, Klang als Zeit

Modular Drone ist eine Praxis, die Musik nicht als eine Reihe von Ereignissen, sondern als Zeit selbst präsentiert. Moog-artige Stabilität und Buchla-artige Variabilität sowie die unzähligen Möglichkeiten, die zwischen ihnen bestehen, werden durch die Form anhaltender Klänge hörbar gemacht.

Bei dieser Musik kommt es nicht darauf an, was passiert, sondern darauf, welcher Zustand erhalten bleibt und wie er sich verändert. Modulare Drohnen sind eine Form zeitgenössischer Musikpraxis, die die Untrennbarkeit von Gerät, Zeit und Klang demonstriert.

„Der Ton schreitet nicht voran und bleibt bestehen“


Monumental Movement Records

Monumental Movement Records