[Spalte] Experimentelle Stimm-/Stimmanipulation – Geschichte und Techniken von Stimmexperimenten
Column de Experimental Vocal Voice Manipulation
Prolog
Text: mmr|Thema: Experimenteller Gesang, der die Stimme als Material/Geschichte, Techniken, Repräsentanten und zeitgenössische Trends der Stimmmanipulation verarbeitet, erzeugt und neu ordnet
Im 21. Jahrhundert hat sich die Singstimme von einem bloßen Überbringer von Melodien zu einem bearbeitbaren akustischen Material entwickelt. Mit der Verfügbarkeit von Werkzeugen wie Aufnahme-/Bearbeitungstechnologie, Effekten, Sampling, Echtzeitverarbeitung und Erzeugungstechnologie hat die Stimme eine vielfältige Rolle als Instrument, Textur, räumliche Beschreibung und sogar Datenressource übernommen. Künstler wie Björk und Imogen Heap, die ihre eigenen Stimmen als Hauptmaterial für ihre Experimente verwenden, und Ausdrucksformen, die durch technologische Durchbrüche wie Granularsynthese und KI-basierte Resynthese geschaffen wurden, haben die Möglichkeiten der Stimme erheblich erweitert.
Kapitel 1: Historischer Kontext der Stimmmanipulation
1-1. Aufnahmetechnik und Tonbanderzeugung
Mitte des 20. Jahrhunderts waren Aufnahmen und Tonbandmanipulationen die ersten großen Einsatzmöglichkeiten für Stimmmanipulationen. Techniken wie das Ändern der Geschwindigkeit des Bandes, das Zerschneiden und das Rückwärtsspielen schufen eine Möglichkeit, die zeitlichen und Frequenzeigenschaften der Stimme strategisch zu verändern und neue musikalische Bedeutungen abzuleiten. In Radioarbeiten und Experimenten mit elektronischer Musik wurden Stimmen manchmal von ihren vorhandenen sprachlichen Bedeutungen getrennt und in Klangtexturen umgewandelt.
1-2. Die Ära der Synthese und der analogen Ausrüstung
Seit den 1970er Jahren erfreuen sich Vocoder und analoge Synthesizer großer Beliebtheit und führen zu Crossovers zwischen Stimmen und synthetisierten Klängen. Der Vocoder übertrug die spektrale Hüllkurve der Stimme auf einen anderen Trägerton und ermöglichte so die Verschmelzung der menschlichen Stimme mit elektronischen Klängen. Infolgedessen sind robotische/mechanische Töne weit verbreitet.
Kapitel 2: Digitalisierung und Neuordnung der Stimmen
2-1. Popularisierung von DAW und Samplern
Die Verbreitung digitaler Audio-Workstations (DAW) und Hardware-/Software-Sampler seit den 1990er Jahren ermöglicht das freie Ausschneiden und Einfügen von Stimmen sowie die unabhängige Manipulation von Zeitachse, Tonhöhe und Tempo. Stimmen wurden fragmentiert und neu arrangiert, um neue rhythmische, strukturelle und melodische Funktionen zu übernehmen.
2-2. Formantkorrektur und Tonhöhenverarbeitung
Fortschritte in den Techniken zum Ändern der Tonhöhe unter Beibehaltung der Formanten (die Elemente, die die Resonanz von Vokalen steuern) haben es möglich gemacht, Tonhöhen zu ändern, ohne die Natürlichkeit der Stimme zu beeinträchtigen. Dies förderte die Verbreitung von Effekten wie Harmonisierung, Chorerzeugung und Tonhöhenverschiebung.
2-3. Loops, Live-Sampling und Performance-Techniken
Auftritte mit Loop-Stationen und Echtzeit-Loopern haben die Art und Weise populär gemacht, wie ein einzelner Sänger vor Ort mehrere Gesangsebenen erzeugt. Hier ist ein neuer stimmlicher Ausdruck, der Improvisation und Arrangement-Entscheidungen live kombiniert.
Kapitel 3: Repräsentative Künstler und ihre Arbeitspraktiken
3-1. Björk – Ausdruck, der die Stimme formt
Björk hat deutlich einen Produktionsansatz gezeigt, der die Stimme als Hauptklangquelle des Liedes und nicht nur als Gegenstand des Gesangs betrachtet. Seine Werke, die geschichtete Sprachsamples, nicht-traditionelle Lautäußerungen (Atmung, Flüstern, fragmentierte Phrasen) und elektronische Verarbeitung kombinieren, definieren die Stimme selbst als „Klangskulptur“ neu.
3-2. Imogen Heap – Echtzeitkontrolle und Körperlichkeit
Imogen Heap demonstrierte, dass die Stimme durch Live-Ausdruck mithilfe von Echtzeit-Effektsteuerung, Gesten und Controllern instrumental gespielt werden kann. Durch den Einsatz eines Harmonizers und einer selbst entwickelten Signalverarbeitung, um die Textur und Harmonien der Stimme während einer Aufführung zu manipulieren, visualisierte er die Unmittelbarkeit und Wandelbarkeit der Stimme.
Kapitel 4: Klassifizierung von Techniken und akustischen Effekten
Im Folgenden fassen wir die wichtigsten Techniken zusammen, die häufig im experimentellen Gesang verwendet werden, und ihre akustischen und ausdrucksstarken Auswirkungen.
4-1. Pitch-Verarbeitung
- Tonhöhenverschiebung: Ändert nur die Tonhöhe und erzeugt so eine andere Tonalität oder zusammengesetzte Harmonie. Extreme Veränderungen erzeugen einen mechanischen Ton.
- Pitch Tracking + Harmonizer: Erzeugt mehrere Harmonien für den Eingangsklang und erzeugt so einen Choreffekt durch eine Person.
4-2. Formantenmanipulation
Die Formantmanipulation ist wirksam zur Manipulation von Stimmqualitätsindikatoren wie Geschlecht und Alter und wird für Stimmänderungen und Charaktergenerierung verwendet.
4-3. Granulare Synthese
Durch die Zerlegung in kurze Klangstücke (Körner) und deren Neuanordnung im Laufe der Zeit oder die Änderung ihrer Dichte werden anhaltende Klänge gedehnt, fragmentiert und erzeugen körnige Texturen. Besonders nützlich für die Texturierung von Stimmen.
4-4. Sample & Chop (Schneiden)
Die Technik, kurze Phrasen und Konsonanten herauszuschneiden und sie neu anzuordnen, erzeugt rhythmische Akzente und unerwartete Abläufe. Wird in Hip-Hop, Electronica und vielen experimentellen Werken verwendet.
4-5. Räumliche Verarbeitung (Hall/Verzögerung/Faltung)
Das Hinzufügen von Echoeigenschaften, das Schwenken und das Manipulieren der Perspektive sind wichtige Mittel, um Erzählungen und Emotionen zu erzeugen und subtile Elemente wie Flüstern und Atmen wirkungsvoll zu arrangieren.
4-6. Rauschen und nichtlineare Verarbeitung
Verzerrung, Wellenformung und Rückkopplungsverarbeitung verstärken die Härte und Aggressivität der Stimme und verleihen ihr ein Gefühl von Substanz, das bei traditionellen Gesangsstimmen nicht zu finden ist.
Kapitel 5: Musikalische und soziale Bedeutung
Die Transformation der Stimme in ein Material ist eine Erweiterung des Ausdrucks und wirft gleichzeitig neue Fragen nach Körperlichkeit und Identität auf. Die Manipulation des Stimmtons hat soziale Bedeutungen, wie zum Beispiel den Ausdruck des Geschlechts, die Charakterbildung und die Gewährleistung der Anonymität.
5-1. Identität und Stimme
Die Stimme spiegelt die körperlichen Merkmale einer Person wider, kann jedoch durch Verarbeitungstechniken leicht verändert werden. Dies ermöglicht es Künstlern, ihr Spektrum an Selbstdarstellungen zu erweitern, und Zuhörern, ihr Bewusstsein für Stimmen zu aktualisieren.
5-2. Leistungsethik und Generationstechnik
Die Reproduktion von Stimmen und die Nachahmung der Stimmen anderer mithilfe von KI wirft ethische Fragen auf. Fragen der Einwilligung und Zuschreibung, etwa die Frage, wessen Stimme verwendet wird und wie sie verwendet wird, müssen parallel zur Entwicklung der Ausdruckstechnologie erörtert werden.
Kapitel 6: Technologische Trends in der KI und Spracherzeugung
6-1. Extraktion und Konvertierung von Audiofunktionen
Durch maschinelles Lernen ist es möglich, Tonhöhe, Spektralhülle, Timing und Ausspracheeigenschaften von Sprache mit hoher Präzision zu extrahieren und auf andere Stimmen oder synthetisierte Klänge zu übertragen. Stiltransferanwendungen erregen Aufmerksamkeit als Methode, um Merkmale des bestehenden Gesangs in neue Kontexte zu integrieren.
6-2. Grenze zwischen synthetischer Sprache und Schöpfung
Text-to-Speech-Synthese (TTS) und Gesangsstimmensynthese definieren die Grenzen zwischen Komposition und Gesangsdarbietung neu. Während die erzeugte Stimme zu einem natürlichen Teil des Songs wird, verkompliziert sie die Rolle des Urhebers, Urheberrechts- und Namensnennungsfragen.
Kapitel 7: Produktionsworkflow
Hier zeigen wir Ihnen einen grundlegenden Arbeitsablauf, mit dem Sie tatsächlich experimentellen Gesang produzieren können. Obwohl die verwendeten Geräte und Software sehr unterschiedlich sind, sind die Prinzipien gleich.
- Aufnahme – Nehmen Sie verschiedene Lautäußerungen (volle Stimme, Flüstern, Atem, Stimmperkussion) in mehreren Takes auf.
- Vorproduktion – Wählen Sie wichtige Phrasen aus und bestimmen Sie die Richtung der Verarbeitung (Harmonik, Textur, Rhythmus).
- Bearbeiten – Samples zerschneiden, Länge anpassen, Timing anpassen und Material vorbereiten.
- Verarbeitung – Tonhöhenkorrektur, Formantmanipulation, granulare Transformation, EQ, Komprimierung usw. anwenden.
- Räumlichkeit – Erstellen Sie eine Perspektive mit Hall und Verzögerung und bauen Sie das Stereofeld mit Panning auf.
- Anordnung – Verteilen Sie jede Stimmebene entsprechend dem Gesamtkontext des Songs.
- Live-Implementierung – Anpassung an Echtzeitsteuerungen (Looper, MIDI-Controller, Gestenschnittstelle).
Kapitel 8: Bildungs- und Forschungsperspektiven
Stimmmanipulation ist ein Bereich, der eng mit Akustik, Psychologie und der Forschung zu künstlicher Intelligenz verbunden ist. Die Wahrnehmung der Stimmqualität, die Parametrisierung für die Stimmsynthese und das physiologische Verständnis der Vokalisierung werden zur technischen Vertiefung experimentellen Gesangs beitragen.
Sprachmanipulationstechniksystem
Chronologie (einfach)
Abschluss
Stimmmanipulation ist nach wie vor ein Bereich, in dem sich technologischer Fortschritt und künstlerische Forschung überschneiden. Während die Stimme ein Symbol für Körperlichkeit ist, ist sie auch ein Material, das durch digitale Technologie frei transformiert werden kann. Die in dieser Zeit aufgeworfenen Fragen zu Ethik, Identität und Kreativität werden in Zukunft immer wichtiger.