[Kolumne] Die komplette Geschichte der elektroakustischen Improvisation
Column de Electroacoustic Improvisation
Von Fennesz bis Toral, eine Fusion aus Elektronik und Improvisation
Text: mmr|Thema: Über Christian Fennesz, Rafael Toral, AMM, Sachiko M, Otomo Yoshihide
Elektroakustische Improvisation (EAI) ist ein Musiktrend, der elektronische Akustik und Improvisation kombiniert und sich in den späten 1990er bis frühen 2000er Jahren vor allem in Europa und Japan herausbildete. Improvisationsmusik, elektroakustische Musik, Lärm, Field Recording, modulare Synthesizer und digitale Sampler kreuzen sich und bilden ein einzigartiges Übungssystem, das sich von der traditionellen, jazzorientierten freien Improvisation und der Akustikschule unterscheidet.
1. Was ist EAI?
EAI ist eine Abkürzung für „Electroacoustic Improvisation“ und wurde um das Jahr 2000 international verwendet, um Improvisation unter Einsatz elektroakustischer Verarbeitung und Verarbeitungstechnologie zu bezeichnen. Obwohl es keine klare einheitliche Definition gibt, sind die folgenden Punkte gemeinsam:
- Elektronische Geräte (Module, Laptops, Effektgeräte, Sampler) improvisatorisch bedienen
- Die Grenzen zwischen Live-Instrumenten und elektronischen Klängen verschwimmen
- Aktiver Einsatz von anhaltenden Tönen und subtilen Geräuschen (Brummen, Zischen, Signaltöne)
- Abkehr von traditionellen rhythmischen und melodischen Strukturen
- „Die Leistung selbst“ unterliegt ebenfalls der Wertschätzung.
- Obwohl es sich um eine Generation vor der Live-Codierung handelt, liegt der Schwerpunkt auf der elektrischen Bedienung
Obwohl EAI oft im Zusammenhang mit improvisierter Musik erwähnt wird, ist es angemessener, es als „praktischen Bereich“ und nicht als einzelnes Genre zu bezeichnen, da es mehrere Bereiche wie Akustiktechnologie, Elektrotechnik und Geräuschkultur umfasst.
2. Historischer Hintergrund: 4 Quellen, die EAI erstellt haben
2-1. Herkunft ①: Elektroakustische Musik der 1970er Jahre
Die von Pierre Henry, Iannis Xenakis und Karlheinz Stockhausen entwickelten elektroakustischen Produktionstechniken führten später zu EAIs Interesse an der Materialverarbeitung – Granularität, Signalmanipulation und elektronisches Rauschen. Insbesondere die Entwicklung der Live-Elektronik ist eine wichtige Grundlage, die mit dem improvisatorischen Charakter von EAI verbunden ist.
2-2. Ursprung ②: Freie Improvisation
AMM (Großbritannien, 1960er-Jahre) war ein Pionier bei der Einbindung elektronischer Geräte (Radio, Kontaktmikrofon usw.) in ihre Auftritte. Die von Eddie Prévost und Keith Rowe demonstrierte „Befreiung nichtinstrumentaler Klänge“ sollte später zur Inspiration für EAI werden.
2-3. Herkunft ③: Noise/alternativer elektronischer Sound der 1980er-1990er Jahre
Japanischer Lärm (Merzbow, Incapacitants usw.) enthüllte die „Materialität des Klangs“ durch die ultimative Suche nach akustischen Materialien. Andererseits führten Otomo Yoshihide und Sachiko M minimale und raffinierte elektronische Klänge (Sinuswellen) in ihre Improvisationen ein und schufen damit die Grundlagen von EAI: „Reduzierung der Anzahl von Klängen“ und „Betonung des Raums“.
2-4. Ursprung ④: Laptop-Musik Ende der 1990er Jahre
Mit der Verbreitung von Max/MSP, SuperCollider usw. sind Laptops in die Arena der Improvisation vorgedrungen. Dies bedeutet die Demokratisierung der Echtzeit-Tonverarbeitung und wird die „Improvisation mit elektronischen Geräten“ von EAI entscheidend unterstützen.
3. Praktische Analyse bedeutender Künstler
3-1. Christian Fennesz
Ursprünglich aus Österreich. Er ist bekannt für seinen Stil, der eine Gitarre als Klangquelle nutzt und diese auf einem Laptop verarbeitet und dabei sanft die Grenze zwischen Melodie und Lärm überschreitet. Sein Meisterwerk „Endless Summer“ (2001) wurde als Beispiel für die Verschmelzung von Elektronik- und Gitarrensounds hoch gelobt.
Aus EAI-Sicht sind folgende Punkte wichtig:
- Behandeln Sie rohen Gitarrensound und verarbeiteten Sound auf derselben Ebene
- Füge Störgeräusche zum Improvisieren ein
- Behandeln Sie Ihren Laptop als „zweites Instrument“
- Integrieren Sie die Signalverarbeitung (Filterung, Granularität) als Leistungsakt
Insbesondere bei Live-Auftritten ist der Prozess der Erfassung, Bearbeitung und Schaffung von Raum in Echtzeit für den improvisatorischen Charakter der winzigen Gitarrengeräusche verantwortlich.
3-2. Rafael Toral
Ursprünglich aus Portugal. Zunächst produzierte er ambientorientierte elektroakustische Werke, doch um 2003 entwickelte er ein Projekt, das unter dem Namen „Space Program“ bekannt war, und verlagerte seinen Schwerpunkt auf Improvisationsaufführungen mit manueller elektronischer Ausrüstung.
Merkmale:
- Selbstgebaute/modifizierte Synthesizerschaltungen, Signalgeneratoren usw.
- Spielt „steuerbare elektronische Signale“ anstelle von Rauschen
- Behandeln Sie elektronische Klänge wie Jazzphrasen
- Verfolgung der Übereinstimmung zwischen körperlichen Bewegungen und elektronischen Reaktionen
Toral ist einzigartig unter EAI in seiner Gründlichkeit beim „Handspielen elektronischer Klänge“ und ist ein repräsentatives Beispiel für die Improvisationsmöglichkeiten des modularen Betriebs.
3-3. Otomo Yoshihide / Sachiko M (Japan)
Die asiatischen Wurzeln von EAI entstanden in einem Bereich, der sich mit der „Onkyoha“-Bewegung der späten 1990er Jahre überschnitt.
- Sachiko M stellt extremen Minimalismus mithilfe des internen Testtons (Sinuswelle) des Samplers her.
- Otomo Yoshihide entwickelt akustische Improvisationen mit Plattenspielern, Gitarren und Samplern
- Filament (Otomo x Sachiko M) ist eine wichtige Einheit im EAI-Kontext
Besonderer Wert wurde auf „White Space“ und „The Treatment of Silence“ gelegt, was einen großen Einfluss auf die spätere internationale EAI-Bewegung hatte.
3-4. AMM (Großbritannien)
AMM, das seit den 1960er Jahren aktiv ist, ist eine der ältesten Gruppen, die elektronische Geräte in ihre Auftritte einbaut. Keith Rowes „horizontale Gitarre“ wurde zum Prototyp für die spätere Verwendung von Funkrauschen und Kontaktmikrofonen durch EAI.
EAI übernimmt die Ästhetik von AMM: „die soziale Natur der Darbietung“, „die Verwendung von Stille“ und „Respekt vor der Kontingenz des Klangs“.
4. Systematische Analyse der verwendeten Geräte und Techniken
4-1. Ausstattung: Modularer Synthesizer
Modular in EAI ist
- Unvorhersehbare Signaländerungen
- Betrieb ohne Tempo/Akkord
- Feine Klangerzeugung durch Spannungsregelung
Es verfügt über Eigenschaften, die für die Improvisation geeignet sind.
4-2. Sampler
In der EAI werden Sampler oft als Signalgeneratoren/Schaltungsgeräte und nicht als Klangquellen behandelt. Das Sachiko M-Beispiel ist ein typisches Beispiel, bei dem nur der interne Testton verwendet wurde.
4-3. Laptop
Die Echtzeitverarbeitung mit Max/MSP und Pure Data ist typisch für den Stil von Fennesz. Es ist wichtig zu beachten, dass der Laptop kein Sensor ist; die Verarbeitung selbst ist ein Leistungsakt.
4-4. Effektor / Physikalisches Rauschen
Auch Techniken, die Signale nutzen, die über den musikalischen Zweck hinausgehen, wie z. B. Kontaktmikrofone, Mischpultrückkopplungen und Netzteilrauschen, sind ebenfalls üblich.
5. Regionale Expansion
5-1. Europa: Wien / Berlin / London
- Fennesz (rund um Wien)
- AMM (London)
- Erstwhile Records (EAIs wichtiges Label)
5-2. Japan: Akustikschule mit Schwerpunkt auf Tokio
- Off Site (Sendagi, Ende der 1990er bis Anfang der 2000er Jahre) war eine Basis für den internationalen EAI-Austausch
5-3. Portugal: Elektronische Improvisation in Lissabon
- Rafael Toral spielt eine zentrale Rolle
6. EAI-bezogene Chronologie
7. Konzeptionelles Beziehungsdiagramm von EAI
8. Aktueller Stand und zukünftige Entwicklung von EAI
Obwohl EAI als eigenständige Szene nicht mehr so konzentriert ist wie in den frühen 2000er Jahren, entstehen mit der Weiterentwicklung der Ausrüstung weiterhin neue Formen. Insbesondere schreiten die Verbindungen zu folgenden Bereichen voran:
- Live-Codierung
- Modulares automatisches Synthesizer-Generierungssystem
- Klangkunst/Installation
- Integration mit Feldaufzeichnungstechnologie
- Improvisation von Ambisonics
Da EAI eher eine „Praxis“ als ein „Genre“ bleibt, wird sich seine Form weiter verändern, solange es Musiker gibt, die mit elektrischen Signalen arbeiten.
Abschluss
Elektroakustische Improvisation ist ein seltenes Praxissystem, in dem sich verschiedene Bereiche wie elektronische Technologie, Akustikwissenschaft, freie Improvisation und Geräuschkultur überschneiden und in dem die Aktivitäten von Christian Fennesz und Rafael Toral eine zentrale Stellung einnehmen.