1. Neudefinition des Genrebegriffs
Text: mmr|Thema: Bildung immersiver Erfahrung durch Akustik, Raum und rituelle Struktur
Dark Ambient ist keine semantische Erweiterung von Ambient-Musik, sondern ein klanglicher Ausdruck, der durch die bewusste Reduzierung musikalischer Elemente entsteht.
Die charakteristischen Elemente der Musik, wie Metrum, Melodie und Instrumentalität, treten in den Hintergrund und Folgendes tritt in den Vordergrund:
- Anhaltender Ton
- Ungleichgewicht im Frequenzband
- Räumlicher Nachhall *Unbekannte Tonquelle
Ritual Ambient zeichnet sich dadurch aus, dass es diese Dark Ambient-ähnliche Methode verwendet und gleichzeitig eine klare „progressive Struktur“ einführt. Ritualismus entsteht nicht durch Symbole, sondern durch die Gestaltung der Anordnung von Klängen und ihrer Dauer.
2. Experimenteller Hintergrund vor der Bildung
Von den späten 1970er bis in die 1980er Jahre experimentierten Menschen im Umfeld der Industrial-Musik damit, „die Funktionen der Musik zu stoppen“.
- Verwendung von Fabrikgeräuschen, medizinischen Geräuschen und Umgebungsgeräuschen
- Frequenzdesign unter Berücksichtigung von Unbehagen
- Weigerung, es zu wiederholen oder zu erweitern
Diese Versuche führten zu „Musik, die man nicht hören kann“ und legten den Grundstein für den immersiven Klang, den Dark Ambient später anstrebte.
3. Gründung von Dark Ambient durch Lustmord
Lustmord war der erste Künstler, der Dark Ambient als „Klangraum“ und nicht als „Atmosphäre“ definierte.
Die Merkmale seiner Produktion lassen sich wie folgt zusammenfassen.
- Feldaufnahme in einem riesigen realen Raum
- Nachhaltige Nutzung ultraniedriger Frequenzen
- Verarbeitung, die die Tonquelle absichtlich verbirgt
- Konfiguration ohne Erweiterung
Durch diese Methodik wird Musik als ein Seinszustand dargestellt und nicht als ein Fortschritt im Laufe der Zeit.
4. Details zum akustischen Design von Lustmord
4.1 Ungleichgewicht im Frequenzband
Das Design konzentriert sich auf die untere Grenze des Hörbereichs und erzeugt eine Wahrnehmung, die von einem physischen Vibrationsempfinden begleitet wird.
4.2 Umgang mit räumlicher Aufnahme
In Höhlen, unterirdischen Anlagen und Ruinen aufgenommene Materialien werden als Hauptbestandteile der Musik eingesetzt und nicht nur als Hintergrundgeräusche.
4.3 Effektverarbeitung unterdrücken
Hall und Delay dienen nicht der Richtung, sondern der Rekonstruktion des Raumes selbst.
[„Akustische Verarbeitung ist bei Lustmord keine Dekoration, sondern eine Neuordnung physikalischer Verhältnisse.“]
5. Beziehung zu Videoarbeiten
Lustmords Musik spielt in Filmen und Videoarbeiten folgende Rollen:
- Keine Emotionen hervorrufen
- Erklärt nicht die Erzählstruktur
- Existiert als Ebene, die der visuellen Wahrnehmung entspricht
Diese Position wurde zum Standard für spätere Dark Ambient, um sich von Filmmusikrollen zu distanzieren.
6. Hintergrund der Gründung von Ritual Ambient
In den 1990er Jahren häuften sich Werke von Dark Ambient mit expliziten religiösen und rituellen Bezügen.
Ritual Ambient vereint folgende Elemente:
*Bezug auf die Struktur liturgischer Musik
- Gesangsmaterial, dessen sprachliche Bedeutung zurückgezogen wurde
- Fixierung des Bewusstseins durch Wiederholung
7. Positionierung der Daseinsberechtigung
Raison d’être etablierte Ritual Ambient als „System“ und nicht als Einzelwerk.
Seine Produktion zeichnet sich dadurch aus, dass er religiöse Themen nicht emotional ausdrückt, sondern in Klangstrukturen umwandelt.
8. Analyse des Produktionsprozesses von Raison d’être
8.1 Albumstruktur
Obwohl alle Lieder unabhängig voneinander sind, bilden sie je nach Reihenfolge, in der sie arrangiert werden, einen rituellen Fluss.
8.2 Auswahl des Tonmaterials
- Pfeifenorgelklang
- Glockenharmonische
- Niedriger Refrain
8.3 Mischphilosophie
Vermeiden Sie extreme Lokalisierungsänderungen und sorgen Sie für ein zentral fokussiertes Klangbild.
[„Die Musik von Raison d’être soll den Hörraum in einen virtuellen Zufluchtsort verwandeln.“]
9. Strukturvergleich zwischen Dark Ambient und Ritual Ambient
10. Musik und Architekturakustik
Beide Genres sind eng mit der Architekturakustik verbunden.
- Kirche
- Unterirdischer Raum
- Steinarchitektur
Diese Nachhalleigenschaften spiegeln sich in der Komposition des Songs selbst wider.
11. Anwendung im Videobereich
Dark Ambient / Ritual Ambient wurde in folgenden Bereichen eingesetzt:
- Experimenteller Film
- Museumsinstallation
- Spielumgebungsgeräusche
Gemeinsam ist ihnen, dass der Ton keine Erklärungen liefert.
12. Änderungen in den Produktionstechniken
Analoger Zeitraum
- Bandbetrieb
- Real-Space-Aufnahme
- Physikbearbeitung
Digitales Zeitalter
*Layer-Management durch DAW
- Impulsantwort
- Nichtlineare Bearbeitung
13. Zu beachtende Punkte in der zeitgenössischen Produktion
- Zu viele Geräusche behindern das Eintauchen
- Der Einsatz kann strukturell destruktiv sein
- Schalldruckwettbewerb ist nicht unbedingt erforderlich
14. Chronologie
1980er Jahre
*Umweltakustisches Experiment von Industrial
- Dark Ambient-Etablissement von Lustmord
1990er Jahre
*Erkennung des Genres „Dark Ambient“.
- Ritual-Ambient-Systematisierung durch Raison d’être
Seit den 2000er Jahren
- Etablierung im Video-/Installationsbereich
15. Genre Aktueller Standort
Dark Ambient / Ritual Ambient ist kein Trend, sondern existiert weiterhin als zweckgebundener Sound.
Obwohl die produzierte Stückzahl begrenzt ist, behält es seinen Wert als Referenzpunkt.
[“Dieses Genre zeichnet sich durch Beharrlichkeit und nicht durch Expansion aus.”]
16. Fazit
Lustmord und Raison d’être sind die Bezugspunkte, die die Dark Ambient/Ritual Ambient-Methodik begründet haben.
Ihr Einfluss ist keine musikalische Nachahmung;
- Raumgestaltung
- Wahrnehmungsmanipulation
- Strukturelle Anordnung
Es wurde vererbt als.
Dark Ambient / Ritual Ambient ist eine der wenigen Klangformen, die zeigt, dass Musik eher „Präsenz“ als „Fortschritt“ sein kann.