1. Sequel-Themeneinstellung
Text: mmr|Thema: Über „Tiefseeakustik“, die den Akt des Musikhörens neu definiert
Wir behandeln Ambient Techno/Deep Ambient nicht als „akustisches Genre“, sondern als eine „Praxis, die den Akt des Zuhörens selbst neu gestaltet“. Während wir die im ersten Teil behandelte Entstehungsgeschichte, Klangtechnologie und Kontraststruktur annehmen, verlagern wir hier unseren Fokus auf die Produktionsumgebung, die Hörumgebung, die Wiedergabemedien und die Art und Weise, wie Zeit genutzt wird.
2. Designkonzept der Langzeitmusik
Eines der wichtigen Merkmale von Deep Ambient und Ambient Techno besteht darin, dass sie der „Wiedergabezeit“ Vorrang vor einzelnen Songs einräumen. Das Durchhalten für 10, 20 oder mehr Minuten ist ein Design-Gebot und kein Mangel an Bereitstellung.
Bei längerer Spieldauer verlieren kurzfristige Reize und symbolische Entwicklungen ihre Bedeutung. Stattdessen rücken subtile Veränderungen, Dichteschwankungen und Lokalisierungsverschiebungen in den Mittelpunkt der Wahrnehmung. Dies zeigt, dass Musik eher als Umgebung denn als Information fungiert.
3. Grenze zwischen Schleife und Nicht-Schleife
Die Loops in Ambient Techno/Deep Ambient sind keine Spielerei, um Wiederholungen selbst hörbar zu machen. Vielmehr handelt es sich um ein Gerät zur künstlichen Schaffung eines Zustands, in dem es den Anschein hat, als gäbe es keine Veränderung.
Es gibt keine perfekte Schleife; es gibt immer gewisse Schwankungen. Öffnen und Schließen von Filtern, Zunahme/Abnahme der Geräuschanteile, Länge der Nachhallfahne. Diese winzigen Unterschiede sind die einzigen Anhaltspunkte, die dem Zuhörer ein Gefühl für den Lauf der Zeit vermitteln.
4. Produktionsumgebung und Klangeigenschaften
Umgebungsgeräusche aus der Tiefsee hängen eng mit der Produktionsumgebung zusammen, in der sie verwendet werden. Die Qualität des Sustains unterscheidet sich zwischen Klängen, die im Studio präzise konstruiert wurden, und Klängen, die improvisiert wurden.
Bei stark improvisierten Produktionen ist der Ton nicht zu kontrolliert, was zu einer leichten Instabilität führt. Diese Instabilität macht Musik nicht zu einem statischen Objekt, sondern zu einem andauernden Phänomen.
5. Umgang mit Stille und Schweigen
Bei Deep Ambient ist Stille mehr als nur eine Pause. In dem Moment, in dem der Ton verschwindet, treten Nachhall und Umgebungsgeräusche in den Vordergrund und die Aufmerksamkeit des Zuhörers richtet sich auf die Außenwelt.
Aus diesem Grund wird in vielen Werken völlige Stille vermieden und sehr leise Töne ausgehalten. Was wie Stille aussieht, ist in Wirklichkeit von Akustik erfüllt.
6. Wiedergabemedien und Klangerlebnis
Der Charakter von Ambient Techno / Deep Ambient verändert sich je nach Wiedergabemedium stark. Große Lautsprecher, Kopfhörer und kleine Geräte. Jeder erzeugt eine andere Tiefe.
Bei Kopfhörern wird der physikalische Druck in den tiefen Frequenzen verringert, die Dichte des Innenraums nimmt jedoch zu. Bei der Lautsprecherwiedergabe hingegen wird der Raum selbst zum Resonator.
7. Zwischenbereich zwischen Arbeit, Schlaf und Wachheit
Die Tiefseeumgebung eignet sich für Bereiche, die weder vollständig wach noch vollständig schlafend sind. In diesem Zwischenzustand ist Musik kein Gegenstand der Aufmerksamkeit, sondern existiert als Hintergrund des Bewusstseins.
Wichtig bei dieser Anwendung ist, dass die Musik keine Emotionen hervorruft. Emotionale Höhen und Tiefen rücken das Bewusstsein in den Vordergrund.
8. Kultur des nächtlichen Zuhörens
Ambient Techno/Deep Ambient wird eng mit der nächtlichen Hörkultur in Verbindung gebracht. In Zeiten, in denen visuelle Informationen reduziert werden, wird die Räumlichkeit des Tons relativ verstärkt.
Bei Werken, die für die Nachtwiedergabe gedacht sind, wird häufig eine Konfiguration gewählt, bei der die hohen Frequenzen unterdrückt werden und die tiefen und mittleren Tieftonfrequenzen lange erhalten bleiben.
9. Neuinterpretation von Fieldness
Tiefsee-Ambient-Musik hat das Gefühl einer Feldaufnahme, ohne dass natürliche Klänge direkt verwendet werden. Wichtig ist nicht die Schallquelle, sondern die Vorstellung des Raumes.
Selbst wenn es sich um einen künstlichen Klang handelt, wird der Hörer die nicht existierende Umgebung als realen Raum wahrnehmen, wenn das Gefühl von Distanz, Reflexion und Abschirmung so gestaltet ist.
10. Unabhängigkeit des Zuhörers
Bei dieser Art von Musik ist der Hörer kein passives Wesen. Es liegt immer am Hörer, zu entscheiden, wie viel Aufmerksamkeit er ihm schenkt und wann er die Musik zum Hintergrund werden lässt.
Ambient Techno/Deep Ambient ist äußerst demokratische Musik, da sie die Hörintensität nicht erzwingt.
11. Das digitale Zeitalter aufrechterhalten
In einer Streaming-Umgebung wird Musik leicht übersprungen. Tiefsee-Ambient-Musik widersetzt sich dieser Unmittelbarkeit jedoch. Da Musik nicht in einem kurzen Zeitraum beurteilt werden kann, hat der Akt des weiteren Spielens eine Bedeutung an sich.
12. Komplementäre Beziehung zum ersten Teil
Während sich der erste Teil mit akustischer Struktur und Geschichte befasste, konzentriert sich dieser Artikel auf Praxis und Verwendung. Obwohl beide unabhängig sind, teilen sie die gleiche Designphilosophie.
13. Chronologie
- 1990er Jahre: Popularisierung langformatiger Ambient-Werke
- 2000er Jahre: Diversifizierung der persönlichen Hörumgebungen
- 2010er Jahre: Etablierung der Regeneration für Arbeit und Schlaf
- 2020er Jahre: Neubewertung als Umweltmusik
14. Strukturdiagramm
16. Zusammenfassung
Ambient Techno / Deep Ambient definiert den Akt des Musikhörens neu. Die Tiefseeakustik ist hierfür das optimierte Format und wird mit weiteren Anwendungen weiter ausgebaut.