[Spalte] Ambient Techno / Deep Ambient

Column de Ambient Techno
[Spalte] Ambient Techno / Deep Ambient

1. Konzepte und Terminologie

Text: mmr|Thema: Anstatt die beiden als Genrenamen zu trennen, geht es bei beiden um die gemeinsame Designphilosophie von „Zeit versinken lassen“, „Raum, in dem man Druck verspürt“ und „einem Zustand, in dem Klang weiterhin existiert“.

Ambient Techno ist ein Bereich der elektronischen Musik, der in den frühen 1990er Jahren gegründet wurde und ein Musikstil ist, der die repetitive rhythmische Struktur von Techno mit der Räumlichkeit und Nachhaltigkeit von Ambient-Musik verbindet. Seine Besonderheit besteht darin, dass es das Zeitgefühl der Clubmusik beibehält und gleichzeitig als Musik der Wertschätzung fungiert.

Deep Ambient (sog. Deep-Sea-Ambient) weist einen höheren Abstraktionsgrad auf und erfordert keine Anwesenheit von Beats. Der Schwerpunkt liegt auf extrem tiefen Klangbildern, anhaltenden Klängen mit Schwerpunkt auf niedrigen Frequenzbändern und Kompositionen, die die Konturen der Zeit verschleiern.


2. Vorgeschichte: Divergenz und Annäherung von Ambient und Techno

Die in den 1970er Jahren entstandene Ambient-Musik vertrat die Idee, dass Musik als Teil der Umgebung funktioniert. Wichtig ist, dass die Akustik so gestaltet ist, dass sie Raum und Zeit dominiert und Melodien und dramatische Entwicklungen auf ein Minimum reduziert.

Andererseits hat sich Techno, der Ende der 1980er Jahre etabliert wurde, zu einer Musik entwickelt, die körperliche Bewegung hervorruft und deren Kern repetitive Beats und mechanische Präzision sind. Obwohl diese beiden Trends auf den ersten Blick polare Gegensätze zu sein scheinen, haben sie gemeinsame Elemente wie „Beharrlichkeit“, „Wiederholung“ und „Nicht-Erzählung“.

Von Ende der 1980er bis Anfang der 1990er Jahre, als die Clubkultur reifte, bestand ein Bedarf an Musik, die außerhalb der Tanzfläche funktionieren konnte, oder an Musik, die außerhalb der Hauptverkehrszeiten unterstützen konnte, und beide kamen sich in praktischer Hinsicht näher.


3. The Orb und die Etablierung von Ambient Techno

Der Orb integriert die räumliche Verarbeitung von Ambient, Techno und Dub und präsentiert eine akustische Struktur, die einer Langzeitwiedergabe standhält. In ihren Werken gibt es kaum einen klaren Anfang, keine klare Entwicklung, keine klare Entwicklung und keinen klaren Abschluss, und die Klänge schweben, zirkulieren und verwandeln sich langsam.

Bemerkenswert ist, dass er selbst in Szenen, in denen der Rhythmus im Vordergrund steht, nie seine treibende Kraft zur Schau stellt. Der Schlag ist kein Gerät, das Bewegungen steuert, sondern dient vielmehr als Referenzpunkt für die Tiefenmessung.

Diese Designphilosophie wurde zur Grundlage von Ambient Techno und hatte einen entscheidenden Einfluss auf die späteren Ausdrucksformen Deep Ambient und Deep Sea Techno.


4. Metapher des Tiefseegefühls

Das Wort „Tiefsee“ ist kein Musikgenre, sondern eine akustische Metapher. Der Kern von Deep-Sea-Ambient ist der Versuch, durch Klang eine Umgebung nachzubilden, die das Licht nicht erreicht, das Gefühl für Distanz verloren geht und das Gefühl für die Richtung mehrdeutig ist.

Diese Metapher ist kein Zufall. In tiefem Wasser werden hohe Frequenzen gedämpft und niedrige Frequenzen breiten sich über große Entfernungen aus. Der Standort der Schallquelle wird unklar und der Schall wird als Schicht und nicht als Punkt wahrgenommen. Deep Sea Ambient nutzt diesen physikalischen Zustand in seinem akustischen Design.


5. Technisches Kapitel: Niederfrequenzdesign und Frequenzverteilung

In der Tiefseeakustik dienen tiefe Frequenzen nicht nur der Energiegewinnung. Das Band um 20 Hz bis 80 Hz spielt keine melodische Rolle, sondern dient zur Darstellung des Drucks und der Masse des Raumes.

Subbass hat oft keinen klaren Anschlag, er steigt langsam an und klingt langsam ab. Dadurch wird der Hörer in einen Zustand versetzt, in dem er den Schall nicht „hört“, sondern als Schalldruck „spürt“.

Vom Mittel-Tief-Bereich bis zum Mitteltonbereich werden anhaltende Töne mit unterdrückten Obertönen platziert, was der Vergleichmäßigung der Klangdichte dient.


6. Technisches Kapitel: Nachhall und räumliche Verarbeitung

In der Tiefsee-Ambient-Musik wird Hall nicht als Dekoration, sondern als Struktur selbst betrachtet. Kurze Nachhallzeiten werden nicht verwendet und lange Nachhallzeiten mit vagen Frühreflexionskonturen werden ausgewählt.

Wichtig ist, dass der Nachhall als Indikator für den Zeitablauf fungiert. Während der Ton weiter verschwindet, wird das Zeitgefühl des Hörers gedehnt und der Anfangs- und Endpunkt des Liedes verlieren an Bedeutung.


7. Technisches Kapitel: Psychologische Auswirkungen und Hörbedingungen

Das Aufrechterhalten niedriger Frequenzen, langsamer Veränderungen und langer Nachhallzeiten führt zu einer psychologisch geringeren Wachsamkeit. Das bedeutet, dass Musik keine Emotionen weckt, sondern als Instrument zur Regulierung von Bewusstseinszuständen fungiert.

Tiefsee-Ambient-Musik hat eine hohe Affinität zu Konzentration, Selbstbeobachtung und einem halbwachen Zustand und eignet sich daher hervorragend für Hintergrundmusik und Meditation bei der Arbeit.


8. Rhythmus neu definieren

Rhythmus im Ambient Techno ist kein Befehl, den Körper zu bewegen. In regelmäßigen Abständen auftretende Impulse sind die Grundlage für die Zeitmessung, ähnlich einem Tiefenmesser.

Bei „Deep Ambient“ kann sogar dieser Standard entfernt werden, aber anstatt völlig zeitlos zu sein, wird die innere Zeit durch winzige Schwankungen aufrechterhalten.


9. Vergleich mit Dub Techno

Dub Techno ist Musik, die die räumliche Verarbeitung von Dub in die Struktur von Techno einbezieht und dabei die Hin- und Herbewegung von Rhythmus und Nachhall betont. Die Wiederholung von Akkordstichen, die Periodizität von Verzögerungen und das Vorhandensein von Schwebungen sind relativ deutlich zu erkennen.

Der entscheidende Unterschied zur Tiefsee-Ambient-Musik liegt im Master-Slave-Verhältnis des Rhythmus. Bei Dub Techno treibt der Rhythmus den Raum an, aber bei Deep Ambient umarmt der Raum den Rhythmus.


10. Vergleich mit Deep Techno

Deep Techno zeichnet sich durch seine minimale Struktur, sein langsames Tempo und seine zurückhaltende Entwicklung aus und ist Musik, die nach Tiefe strebt und gleichzeitig den Clubkontext beibehält.

Während sich Ambient Techno/Deep Ambient vom Clubcharakter distanziert, führt Deep Techno Tiefseesound ein, behält aber die Floor-Funktion bei. Dieser Unterschied führt zu einem deutlichen Unterschied in der Nutzung und Hörhaltung.


11. Vertiefung des modernen Techno

In der modernen Techno-Produktion sind langsame, wenig stimulierende Ausdrucksformen weit verbreitet, die sich von den Spitzenzeiten-orientierten Stilen unterscheiden. Dies ist kein Niedergang des Genres, sondern eine Erweiterung seiner Verwendungsmöglichkeiten.

Tiefseeakustik wurde in Clubs, Galerien und privaten Arbeitsbereichen zu einer gemeinsamen Sprache.


12. Designphilosophie als Arbeits-Hintergrundmusik

Beim Einsatz von Hintergrundmusik am Arbeitsplatz kommt es nicht darauf an, Aufmerksamkeit zu erregen, sondern darauf, die Aufmerksamkeit zu stabilisieren. Tiefsee-Ambient-Musik sorgt für eine konstante kognitive Belastung, indem die akustischen Veränderungen äußerst allmählich erfolgen.


13. Zusammenhang mit der Verwendung von Meditation/Selbstbeobachtung

Bei meditativen Anwendungen ist Musik nicht das Objekt, sondern der Hintergrund. Die Tiefseeumgebung erfüllt diese Bedingung strukturell.

14. Chronologie

  • 1970er Jahre: Entstehung des Konzepts der Ambient-Musik
  • Ende der 1980er Jahre: Etablierung von Techno
  • Anfang der 1990er Jahre: Die Entstehung von Ambient Techno
  • Mitte der 1990er Jahre: Ausdruckserweiterung mit The Orb
  • Seit den 2000er Jahren: Deep Ambient Sound hat sich etabliert.
  • Nach 2010: Popularisierung von Deep-Sea-Techno

15. Strukturdiagramm

graph TD A[Ambient] --> C[Ambient Techno] B[Techno] --> C C --> D[Dub Techno] C --> E[Deep Techno] C --> F[Deep Ambient]

16. Zusammenfassung

Ambient Techno/Deep Ambient hat Musik von einem Event zu einer Umgebung neu definiert. Tiefseegeräusche sind ein Symbol dafür und die Grundlage einer nachhaltigen Hörkultur in der Moderne.


Monumental Movement Records

Monumental Movement Records